Gemeinschaftspraxis
Frauenärzte
Dr. med Tomás Bühler
Dr. med. Gabriele Gläser


Stuttgarter Str. 32
71638 Ludwigsburg
Tel: +49 (7141) 901997
Fax: +49 (7141) 929795

Immunologischer Stuhltest

Der immunologische Stuhltest dient in erster Linie der Früherkennung und damit der Prävention von Darmkrebs. Der Test beruht auf dem immunologischen Nachweis von okkultem (verborgenem, verstecktem) Blut (Synonym: fecal occult blood test – FOBT). Der immunologische Stuhltest wird allerdings im Gegensatz zum üblichen Hämoccult®-Stuhltest nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Im Rahmen des Darmkrebs-Screenings wird der Hämoccult®-Stuhltest ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich empfohlen. Ab dem 55. Lebensjahr wird zusätzlich die Koloskopie (Darmspiegelung) angeboten.

Das Verfahren

Der Nachweis von okkultem Blut im Stuhl ist sehr wertvoll für die Diagnostik von Kolonkarzinomen (Darmkrebs) oder  kolorektalen Polypen. 70-80 % aller kolorektaler Polypen sind Adenome, die als Neoplasien (Neubildungen) eine maligne Potenz in sich tragen, das heißt sie können bösartig entarten. Die reiche Vaskularisierung (Durchblutung) dieser Neubildungen führt schnell zu geringen Blutbeimengungen im Stuhl, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.

Zum Nachweis dient neben dem immunologischen Stuhltest der sogenannte Hämoccult®-Stuhltest. Dieser Test erfasst durch die Peroxidaseaktivität (enzymatische Aktivität) des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff) kleinste Mengen an Blut (Sensitivität 30-60 %; Spezifität 70-85 %; Nachweisgrenze circa 100 ug/g Stuhl)
Der prädiktive Vorhersagewert liegt bei 40-65 %, das heißt bei 40-65 % der Patienten wurde mittels des Hämoccult-Testes der Darmkrebs – gesichert durch Koloskopie, das heißt per Darmspiegelung – richtig erkannt.

Der Patient erhält Testbriefchen, die er mit Proben seines Stuhls bestreicht. Der Test kann falsch positive Ergebnisse liefern, da er auch auf tierisches Blut und pflanzliche Stoffe aus der Nahrung reagiert. Aus diesem Grund muss der Patient vorher auf rohe bzw. halbrohe Fleischwaren (z. B. Blutwurst) verzichten.

Der immunologische Stuhltest ist spezifischer, da er nur menschliches Hämoglobin nachweist (der Patient muss keine spezielle Diät mehr einhalten). Der Test enthält spezifische Antikörper (Stoffe die mit speziellen Oberflächenmerkmalen des Hämoglobins reagieren) und stellt daher ein empfindlicheres Verfahren dar (Hämoccult vs. immunologischer Stuhltest: Steigerung der Sensitivität um 90 % bei gleichzeitiger Verbesserung der Spezifität um ca. 40 % für Karzinome und fortgeschrittene Adenome; Lit: Guittet, Gut 2007).

Ein positives Testergebnis weist nur auf Blut im Stuhl hin und muss aus diesem Grund weiter untersucht werden. Das Blut kann unter anderem aus dem oberen Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) infolge eines Ulcus ventriculi stammen. Auch Hämorrhoiden (knotenförmige Erweiterungen kleiner Arterien im Bereich des Darmausgangs, die leicht bluten) können ein positives Testergebnis bewirken.

Ein positives Testergebnis erfordert die endoskopische Untersuchung des gesamten Dickdarms (Koloskopie).

Der immunologische Stuhltest wird durchgeführt bei:

  • Frühdiagnostik bei Patienten ab dem 50. Lebensjahr
  • Patienten mit genetischer (familiärer) Disposition für Darmkrebs:
    - bei HNPCC (heredetery non-polyposis colorectal cancer) und Lynch-Syndrom
    beginnt das Darmkrebs-Screening inkl. Koloskopie ab dem 25. Lebensjahr
    - bei FAP (familiäre adenomatöse polyposis) beginnt das Darmkrebs-Screening
    inkl. Koloskopie bereits ab dem 10.Lebensjahr
    - bei Patienten mit "gehäuftem Auftreten von Darmkrebs in der Familie" wird das Darmkrebs-Screening inkl. Koloskopie bereits zum ersten Mal durchgeführt, wenn der Patient 10 Jahre jünger ist, als das kranke Familienmitglied war, als es erkrankte

Ihr Nutzen

Der immunologische Stuhltest stellt ein sicheres Verfahren zum Nachweis von okkultem Blut im Stuhl dar. Durch die rechtzeitige Entdeckung und Entfernung von Darmpolypen beziehungsweise die frühzeitige Diagnose einer Tumorerkrankung kann das Sterblichkeitsrisiko gesenkt werden.


Literatur

  1. Das kolorektale Karzinom: evidenzbasierte Leitlinien; Michael Geissler/Ullrich Graeven; Georg Thieme Verlag 2005
  2. Das Laborbuch für Klinik und Praxis; W.G. Guder; Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2005
  3. Innere Medizin: Lehrbuch für Pflegeberufe; Nicole Menche/ Tilmann Klare; Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2007